Wir konnten hier ja in letzter Zeit mehrfach neue Projekte präsentieren, mit denen der Detailhandel auf Inflation und Kundenflaute antworten will. In der Zwischenzeit wird aber auch klar: Der Harddiscounter ist kein Selbstläufer. Günstige Preise alleine machen es noch nicht aus.
In Frankreich kündigte die Casino-Gruppe im Februar ein neues Billig-Format namens Leader Price an – bislang beschränkt sich dessen Auftritt abgesehen von einer Filiale in Arles auf Shop-in-Shops. In Dänemark lancierte die Salling Group vor einem Jahr «Basalt»: Dies war quasi eine Wiederbelebung des Ur-Discounters, bei dem die Artikel in Grosspaketen auf Paletten präsentiert wurden – nach dem Prinzip: sehr beschränkte Auswahl, ganz kleine Preise.
Und was geschah? Nach knapp einem halben Jahr, im Mai 2023,
brach der Salling-Konzern die Übung ab. Das Management erklärte dies einerseits mit den gestiegenen Energiepreisen (was den Kostenvorteil dämpfte) und vor allem damit, dass sich die Lage bei der Inflation wieder etwas entspannt hatte.
Nun folgt der nächste Übungs-Abbruch: In Frankreich wurde die Toujust-Gruppe im Oktober in Nachlassstundung geschickt – und jetzt werden Läden vom
Konkursamt Créteil liquidiert.
Das Konzept war hier ein bisschen differenzierter: Bei Toujust, entwickelt vom Elsässer Unternehmer Fabrice Gerber, wurden die Lieferanten als Aktionäre eingespannt; sie sollten ihre Ware ohne Markenbezug in die Filialen bringen. Das spart Kosten, so die Idee: Das Sortiment würde nach Berechnungen von Gerber im Minimum um 5 bis 10 Prozent günstiger als bei der Konkurrenz.
Keine Lieferanten, keine Kunden
Bei der
Eröffnung des ersten Toujust-Supermarkts im Januar waren 100 Lieferanten mit von der Partie. Günstig, aber nicht
cheap: Die Geschäfte des «supermarché collaboratif» sollten nicht wie typische Discounter aussehen. Im Gegenteil: Die Inneneinrichtung sollte die Waren – darunter auch frische Lebensmittel – mit einer angenehmen Atmosphäre würdigen.
Doch offenbar gab es bald Friktionen bei der Bezahlung der Lieferanten (und Aktionäre), mit der Folge, dass diverse ausstiegen und den Nachschub einstellten. Was wiederum die Folge hatte, dass auch die Kunden mehr und mehr ausblieben.
Dieses Projekt gibt's noch: Atacadñao-Megamarkt in Brasilien | Bild: PD
Nun bleibt zu verfolgen, wie Carrefour mit seinem Inflations-Reaktions-Konzept «Atacadão» verfährt. Der französische Retail-Konzern möchte das Prinzip der Cash-and-Carry-Riesenmärkte von Brasilien nach Europa exportieren – aber auch dies scheint kein leichtes Spiel zu werden.
Der erste geplante Standort in Sevrant bei Paris stiess auf massiven Widerstand: Der Stadtpräsident und das lokale Gewerbe setzten Himmel und Hölle in Bewegung, um das Projekt zu verhindern. Ein Hauptargument dabei: Der Billigst-Anbieter Atacadão beschädige das Image der Ortschaft.